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22.01.2010, MPI-CE: Kolibris bevorzugt!
 
Chemischer Botenstoff im Speichel pflanzenfressender Insekten verschiebt den Blühzeitpunkt von Wirtspflanzen: Neben Motten fungieren fortan Kolibris als Bestäuber.

Zahlreiche Pflanzenarten locken mit den Farben und Formen ihrer Blüten sowie dem Nektar und Duftstoffen Schmetterlinge und Motten zur Bestäubung und Fortpflanzung an. Weibliche Motten jedoch sind eine große Gefahr für die Pflanze: Einmal angezogen durch den Duft der Blüten, legen sie auf den grünen Blättern ihre Eier ab, aus denen alsbald gefräßige junge Raupen schlüpfen.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena haben jetzt beobachtet, dass Tabakpflanzen diesem Dilemma erfolgreich begegnen. Die Forscher fanden, dass durch den Blattfraß das Öffnen von Blütenknospen von den Abend- in die Morgenstunden verschoben und zusätzlich die Duftabgabe der Blüten drastisch reduziert wurde. Diese Umstellung wird durch spezielle Moleküle im Speichel der Raupen hervorgerufen und durch die Jasmonat-Signalkaskade ausgelöst, die auch die Verteidigung der Pflanze gegen Schädlinge mobilisiert. Die „morning-opening flowers“ locken statt der nachtaktiven Motten tagaktive Kolibris an, die ebenso eine Pollenübertragung bewerkstelligen, ohne dabei der Pflanze selbst zu Leibe zu rücken. (Current Biology, online first, 21. Januar 2010)

 
 
 
 
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