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06.04.2017, Das Tauziehen ums Klima
 
KLIMAFORSCHER ZU GAST BEI DEN 25. NOBLEN GESPRÄCHEN

Jena. „2016 stellt Hitzerekord auf“ titelte „Die Zeit“ zu Jahresbeginn. Sie berichtete darüber, dass im vergangenen Jahr die Temperaturen das dritte Mal in Folge weltweit so hoch waren wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind und wie sie zusammenwirken, wird Prof. Meinrat Andreae bei den 25. „Noblen Gesprächen“ in seinem öffentlichen Vortrag „Treibhausgase und Aerolsole: Das Tauziehen ums Klima“ am Beutenberg Campus in Jena erläutern. Prof. Dr. Dr. h.c. Andreae, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, spricht als Gast des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie.
Traditionell werden auch in diesem Frühjahr wieder zu Beginn der „Noblen Gespräche“ junge erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler durch den Vorstandsvorsitzenden Prof. Wilhelm Boland mit den Wissenschaftspreisen „Lebenswissenschaften und Physik“ des Beutenberg Campus Jena e.V. geehrt.

BBC_PM_06.04.2017_1Mit der Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre und der Biosphäre der Erde sowie dem Erdboden und der Ozeane tragen Prof. Andreae und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz wesentlich zum besseren Verständnis der globalen Stoffkreisläufe bei. Auf der Basis von Modellrechnungen untersuchen und bewerten sie wechselseitige Einflüsse im Erdsystem, wie beispielsweise die Aerosolbildung auf das Klima, und schätzen deren langfristigen Folgen ein. Die Aerosolbildung zählt zusammen mit den Treibhausgasen zu den wesentlichen Faktoren der anthropogenen Klimabeeinflussung und des damit einhergehenden Klimawandels.


Prof. Dr. Dr. h.c. Meinrat O. Andreae
Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
[Quelle Andreae, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz]


Aerosolpartikel werden in der Atmosphäre unter anderem durch Feinstaub hervorgerufen. Sie haben über das letzte Jahrhundert der Erderwärmung durch vermehrte Treibhausgase in der Atmosphäre entgegengewirkt. In gewisser Weise haben Aerosole somit als „Klimaschutz“ gewirkt und damit die wahre Größenordnung des Klimawandels verschleiert. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahrzehnten die kühlende Rolle der Aerosole global abnimmt, da ihre Emissionen aus Umweltgründen reduziert werden. Trotzdem werden sie weiter einen wichtigen Einfluss auf das regionale Klima in belasteten Gebieten haben, insbesondere in Bezug auf den Wasserkreislauf. Warum das Ende des „Klimaschutzes“ durch Aerosole in Kombination mit einer möglicherweise hohen Empfindlichkeit des Klimasystems eine schnelle und starke Reduktion der Treibhausgasemissionen so dringlich macht, wird Prof. Andreae in seinem Vortrag bei den „Noblen Gesprächen“ erläutern.

Meinrat O. Andreae wurde 1949 in Augsburg geboren und studierte Mineralogie und Geochemie an der Universität Karlsruhe und später an der Universität Göttingen. 1977 promovierte er an der Scripps Institution of Oceanography der University of California in San Diego im Bereich Ozeanographie. Er lehrte und forschte von 1978 bis 1986 zuletzt als Full Professor am Department of Oceanography an der Florida State University, Tallahassee. Im Jahr 1987 ging er als Direktor an das Max-Planck-Institut für Chemie nach Mainz, wo er die Abteilung Biogeochemie leitet.

Prof. Andreae ist Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien und wurde für seine herausragende Forschungstätigkeit mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Er ist u. a. im wissenschaftlichen Lenkungsausschuss der Large Scale Biosphere Atmosphere Experiment in Amazonia aktiv und war Vorsitzender des internationalen Programms Integrated Land Ecosystem Atmospheric Processes Study. 2013 wurde er Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und seit 2014 ist er Fellow der American Geophysical Union, die ihn im gleichen Jahr mit dem Waldo E. Smith Award auszeichnete. Darüber hinaus durfte er sich 2007 über die Verleihung des Friedensnobelpreises an den amerikanischen Politiker Al Gore freuen, der diesen Preis stellvertretend für alle Beteiligten des Weltklimarates und damit auch für Meinrat Andreae entgegennahm. Im Jahr 2010 ehrte ihn die Universität Gent mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Andreae lehrte als Gastprofessor an internationalen Universitäten und Instituten. Er veröffentlichte fast 500 wissenschaftliche Publikationen, die bereits mehr als 35.000-fach zitiert wurden. Außerdem engagiert er sich als Reviewing Editor der Zeitschrift „Science“.

Zu den 25. „Noblen Gesprächen“ und zu der Verleihung der Nachwuchs-wissenschaftspreise sind alle Interessierten am Donnerstag, den 06. April 2017 um 17:00 Uhr (Einlass ab 16:15 Uhr) ganz herzlich in den Hörsaal des Abbe-Zentrums am Beutenberg, Hans-Knöll-Straße 1, eingeladen.

Der Eintritt ist frei. Kostenlose Parkplätze stehen unterhalb des Abbe-Zentrums zur Verfügung. Bitte nutzen Sie auch die öffentlichen Verkehrsmittel.
 
 
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Luftverschmutzung, die aus China kommend auf das chinesische Meer hinauszieht.
[Quelle Andreae, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz]

 
 
Die öffentliche Vortragsreihe „Noble Gespräche“ wird aus Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert.

Hintergrundinfo
Der Beutenberg-Campus Jena e.V. bildet ein Kompetenznetz aller auf dem Jenaer Beutenberg zusammengeschlossenen Forschungs-, Betreiber- und Gründerzentren und bündelt die Interessen von neun Forschungseinrichtungen und zwei bereits mehr als 50 Firmen betreuenden Technologiezentren sowie einer biotechnologisch ausgerichteten Firma.

Mit der öffentlichen Vortragsreihe „Noble Gespräche“ werden am Beutenberg Campus seit 2005 zweimal jährlich namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentiert, die ihre Forschung einem breit gefächerten Publikum in allgemeinverständlicher Form vorstellen. Die Vorträge behandeln aktuelle Themen aus Wissenschaft und Technik und werden in der Regel auf Deutsch gehalten.

Der Beutenberg-Campus Jena e.V. schreibt seit 2005 jährlich die Wissenschaftspreise „Lebenswissenschaften und Physik“ aus. Dabei werden hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftler/innen des Beutenbergs gewürdigt. Die Preise sind mit 1000 Euro dotiert.

 
 
 
 
 
 
Bild:
Prof. Boland präsentiert den Beutenberg Campus in Brüssel