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21.09.2017, Science & Society - Öffentliche Vortragsreihe
 
Prof. Dr. Thomas Straubhaar
(Universität Hamburg, Lehrstuhl für internationale Wirtschaftsbeziehungen)
"Der Untergang ist abgesagt - Wider die Mythen des demografischen Wandels"
21.09.2017, 16:00 h
Hörsaal, Abbe-Zentrum Beutenberg, Hans-Knöll-Str. 1, Jena
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos!

"Wider die Mythen des demografischen Wandels"
Ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist das Gespenst einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft. Zuerst sorge es dafür, dass »die Schlauen aussterben«, später dann führe es dazu, dass »sich Deutschland abschafft«. Am Ende drohe der Untergang. Ersetzt man demografische Mythen durch nüchterne Analysen zeigt sich jedoch, dass Deutschland und seine Bevölkerung die besten Jahre nicht hin­ter, sondern vor sich haben.

Natürlich und offensichtlich verändert sich die demografische Situati­on Deutschlands in mannigfacher Weise. An sich führen die geringe Anzahl Geburten und die steigende Lebenserwartung dazu, dass die Bevölkerung zahlenmäßig bald schrumpfen und demografisch altern würde.

Ein Großteil der Befürchtungen über die makroökonomischen Folgen des demografischen Wandels erweist sich bei genauerem Hinsehen als Behauptungen, deren Zutreffen alles andere als gesichert ist -etwa die wie ein Mantra vorgetragene These eines drohenden Fach­kräftemangels. Millionen von gut gebildeten Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund würden nichts lieber tun, als mehr und länger zu arbeiten. Sie stehen heute schon in Deutschland als ungenutzte Potenziale bereit, Fachkräftelücken zu füllen.

Die jungen Alten von heute und morgen werden besser gebildet, fitter und gesünder länger aktiv sein wollen. Natürlich nehmen „fluide" kognitive Fähigkeiten - also die Auffassungsgabe, Kreativität oder Originalität- mit zunehmendem Alter ab. Aber durch entsprechendes Training und auch dank Fortschritten der Neurologie kann der Alte­rungsprozess verlangsamt werden. Auch, weil mit dem Alter die kris­tallinen Fähigkeiten zunehmen - also Wissen und Erfahrung und die Fähigkeit, wichtiges von unwichtigem zu trennen. Und nicht zuletzt wird die Digitalisierung helfen, die Abnahme der individuellen flui­den Fähigkeiten wenigstens teilweise kompensieren und die indivi­duelle Leistungsfähigkeit halten zu können.

Werden vorhandene, aber zu oft ungenutzt bleibende Potenziale von Frauen, Älteren und der bereits hier lebenden Menschen mit Migrati­onshintergrund besser und länger ausgeschöpft, wird der demografi­sche Wandel seinen Schrecken verlieren.

 
 
 
 
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Noble Gespräche: 300 Besucher waren zu Gast bei dem Vortrag des Nobelpreisträgers Prof. Hartmut Michel