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15.11.2016, MPI-BGC_Rekordanstieg des atmosphärischen CO2 aufgrund geschwächter Aufnahme in der Biosphäre
 
Obwohl die anthropogenen Emissionen in 2015 nur sehr gering angestiegen sind, markiert die Zunahme von 23Gt Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre pro Jahr einen neuen Wachstumsrekord. Sie übertrifft damit auch den Zuwachs der vorherigen Dekade, der im Durchschnitt bei 16 Gt CO2 pro Jahr lag. Das Jahr 2016 könnte mit 25 Gt CO2 pro Jahr einen weiteren Rekord aufstellen. Die atmosphärische CO2-Konzentration liegt nun um 44 Prozent höher als in vorindustrieller Zeit und ist damit die höchste der letzten 800 000 Jahre.

MPI-BGC_PM_15.11.2016Blick auf den Amazonas Regenwald in Brasilien, einer riesigen Kohlenstoffsenke, vom ATTO-Klimamessturm (Foto: Jost Lavric)








Verursacht wird die hohe Wachstumsrate des atmosphärischen CO2 hauptsächlich durch eine verminderte Kohlenstoffspeicherung der Landbiosphäre. Sie steht im Zusammenhang mit einem El Nino- Ereignis von Mai 2015 bis Juni 2016, welches zu ungewöhnlich warmen und trockenen Bedingungen in den Tropen geführt hatte. Im Jahr 2015 speicherten die Landökosysteme nur 7 [4 – 10] Gt CO2 pro Jahr, was etwa 60 Prozent der durchschnittlichen Rate der vorigen Dekade entspricht.

„Was wir hier sehen, ist die Antwort der tropischen Landökosysteme auf starke jährliche Klimaschwankungen“ erklärt Dr. Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, der Modellsimulationen zur Studie beitrug. „Die Landbiosphäre reduziert durch ihre Kohlenstoffspeicherung im Mittel die Wachstumsrate des atmosphärischen Kohlendioxids, ein Prozess, der sich sehr wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Jahre wie 2015 zeigen, dass wärmere Temperaturen und insbesondere verstärkte Trockenheit in bestimmten Regionen unserer Erde diese Kohlenstoffspeicherung beeinträchtigen können.“

Das Hoch in der atmosphärischen Wachstumsrate entwickelte sich vor dem Hintergrund stagnierender globaler CO2-Emissionen aus fossilen Quellen, die im dritten Jahr in Folge nicht mehr so stark anstiegen und letztlich bei etwa 36.3 Gt CO2 pro Jahr stagnierten (entsprechend einem globalem Mittel in den Pro-Kopf Emissionen von 4.9 t CO2 pro Jahr). Prof. Corinne Le Quéré von der University of East Anglia, Hauptautorin der Studie, erklärt „Dieses dritte Jahr mit beinahe Null-Wachstum der fossilen Emissionen ist beispiellos in einer Phase starken ökonomischen Wachstums. Möglicherweise deutet dies auf eine langfristige Entkopplung der Wachstumsraten von fossilen Emissionen und Ökonomie hin.“

Eine Verifizierung der anthropogenen Emissionen und ihrer Trends auf nationaler Ebene ist mit den momentanen Messmethoden aufgrund der Variabilität der Kohlenstoffflüsse in der Umwelt nicht zuverlässig möglich. Dies bedeutet auch, dass es mit den heutigen Mitteln noch etwa 5 bis 10 Jahre dauern würde, bis sich ein möglicher Gipfelpunkt in den fossilen Emissionen unabhängig bestätigen ließe.

Originalpublikation:
Global Carbon Budget 2016
Le Quéré, C., Andrew, R. M., Canadell, J. G., Sitch, S., Korsbakken, J. I., Peters, G. P., Manning, A. C., Boden, T. A., Tans, P. P., Houghton, R. A., Keeling, R. F., Alin, S., Andrews, O. D., Anthoni, P., Barbero, L., Bopp, L., Chevallier, F., Chini, L. P., Ciais, P., Currie, K., Delire, C., Doney, S. C., Friedlingstein, P., Gkritzalis, T., Harris, I., Hauck, J., Haverd, V., Hoppema, M., Klein Goldewijk, K., Jain, A. K., Kato, E., Körtzinger, A., Landschützer, P., Lefèvre, N., Lenton, A., Lienert, S., Lombardozzi, D., Melton, J. R., Metzl, N., Millero, F., Monteiro, P. M. S., Munro, D. R., Nabel, J. E. M. S., Nakaoka, S., O’Brien, K., Olsen, A., Omar, A. M., Ono, T., Pierrot, D., Poulter, B., Rödenbeck, C., Salisbury, J., Schuster, U., Schwinger, J., Séférian, R., Skjelvan, I., Stocker, B. D., Sutton, A. J., Takahashi, T., Tian, H., Tilbrook, B., van der Laan-Luijkx, I. T., van der Werf, G. R., Viovy, N., Walker, A. P., Wiltshire, A. J., and Zaehle, S.
Earth Syst. Sci. Data, 8, 605-649, doi:10.5194/essd-8-605-2016, 2016.
http://www.earth-syst-sci-data.net/8/605/2016/