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08.06.2017, HKI_Wissenschaft trifft Wirtschaft: Gemeinsam gegen Infektionen
 
Konferenz „Visions for Infection Control“ vernetzt Wissenschaftler und Industriepartner
Vom 14. bis 16. Juni 2017 kommen rund 200 Wissenschaftler und Industriepartner in Jena zusammen, um sich dem Problem der Infektionskrankheiten und ihrer Bekämpfung zu widmen. Ein öffentlicher Vortrag von Johannes Krause, Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, über die Entwicklung von Krankheitserregern im Laufe der Menschheitsgeschichte rundet das Tagungsprogramm aus Workshops und Vorträgen ab.

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Wissenschaftler aus dem Konsortium „InfectControl 2020“ erforschen Krankheitserreger, wie zum Beispiel Schimmelpilze, die sie auf Nährböden züchten.
Quelle: Anna Schroll


Die Erinnerungen an die erschreckenden Berichte aus der indischen Pharma-Metropole Hyderabad sind noch frisch: Wissenschaftler fanden in den umliegenden Gewässern äußerst hohe Konzentrationen von Antibiotika. Auch multiresistente Bakterien, gegen die gleich mehrere Medikamente nicht mehr wirken, konnten die Forscher identifizieren. Von einer tickenden Zeitbombe ist die Rede.

Axel Brakhage unterstreicht die Bedeutung der Infektionsforschung und fordert interdisziplinäres Engagement und gemeinsame Anstrengungen von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Professor der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Sprecher des Konsortiums „InfectControl 2020“, das sich dem vielschichtigen Problem der Infektionskrankheiten und ihrer Bekämpfung widmet und nun am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (HKI) in Jena tagt. „Unsere Arbeit ist wichtig für das Wohlergehen der Gesellschaft. Es fehlen neue Wirkstoffe sowie zuverlässige Diagnose- und Therapie-Methoden. Dieser besorgniserregenden Entwicklung können wir nur mit gemeinsamen Anstrengungen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik begegnen“, betont der Mikrobiologe, der gleichzeitig Direktor des HKI ist.

Infektionen vermeiden, diagnostizieren und therapieren
Auf der Konferenz „Visions for Infection Control“ kommen 200 Wissenschaftler und Industriepartner aus dem Konsortium „InfectControl 2020“ sowie externe Teilnehmer zusammen, um bisherige Ergebnisse zu präsentieren und gemeinsam neue Strategien zur Infektionsbekämpfung zu entwickeln. Das Besondere am tagenden Forschungsverbund sind die unterschiedlichen Branchen und Forschungsdisziplinen:
„Das Thema Infektionen lässt sich nur global betrachten“, informiert Oliver Kurzai, wissenschaftlicher Geschäftsführer von „InfectControl 2020“ und Professor am Universitätsklinikum Würzburg. „Zum einen ist die besorgniserregende Ausbreitung von multiresistenten Keimen vor allem auf den unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz in Human- und Veterinärmedizin zurückzuführen. Zum anderen tragen die stark gestiegene Mobilität der Menschen und auch der Klimawandel zusätzlich zur globalen Verbreitung regional auftretender Erreger bei“, führt Kurzai weiter aus.

Deshalb stehen neben der infektionsbiologischen Forschung in einem großen Projekt auch Kommunikation und Aufklärung im Mittelpunkt. Ziel ist, den Antibiotikagebrauch durch einen sorgsameren und zielgerichteten Einsatz zu reduzieren: Ärzte, Veterinäre und Landwirte tauschen sich zusammen mit Designern und Kommunikationswissenschaftlern aus, um auf Basis wissenschaftlicher Studien zielgerichtete Informations- und Aufklärungskonzepte für Patienten, Landwirte und Mediziner zu entwickeln. Erste sogenannte „Infozepte“ für Patienten, Podcasts für Landwirte und eine eigens entwickelte App, in der Ärzte ihr Verschreibungsverhalten nachvollziehen, sind bereits im Einsatz.
Aber auch Architekten, Materialwissenschaftler und Hygieniker arbeiten innerhalb des Konsortiums zusammen beispielsweise zur Entwicklung von antiinfektiven Oberflächen und speziellen Gebäudestrukturen von Krankenhäusern oder Flughäfen, die die Ausbreitung von krankheitserregenden Mikroben hemmen sollen.

Neben der Prävention spielen auch neue Wirkstoffe eine große Rolle: Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelt „InfectControl 2020“ ein neues Antibiotikum gegen Tuberkulose.

Unternehmer, Forscher und Politiker im Gespräch
Der Komplexität des Themas nähern sich auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die am ersten Abend der Konferenz stattfindet. Unter anderem der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, sowie Christoph Wannek vom Bundesministerium für Bildung und Forschung diskutieren dann gemeinsam mit Jenaer Unternehmern und Vertretern aus den Bereichen Klinik, Hygiene und Forschung darüber, wie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zukünftig besser zusammenarbeiten können und welche Strukturen dafür nötig sind.

Das Genom des schwarzen Todes
Ein besonderer Programmpunkt der Konferenz ist der öffentliche Vortrag von Johannes Krause: Interessierte Zuhörer sind am 15. Juni 2017 um 18 Uhr herzlich ins Zeiss-Planetarium Jena eingeladen, wenn der Archäogenetiker über die evolutionäre Entwicklung und Verbreitungsgeschichte von Krankheitserregern am Beispiel des schwarzen Todes berichtet. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte zeigt anhand der Evolution des Pesterregers Yersinia pestis interessante Perspektiven für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten auf. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

„InfectControl 2020“: Gemeinsam Infektionen bekämpfen
Das Konsortium „InfectControl 2020“ wird mit rund 45 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es bündelt knapp 30 Verbundvorhaben, in denen Industrie- und Wissenschaftspartner interdisziplinär neue Strategien zur Infektionsbekämpfung erarbeiten.