... where LIFE SCIENCE
meets PHYSICS

Interdisziplinäre Forschung zahlt sich doppelt aus - medac Forschungspreis 2025 für kollektive Spitzenforschung verliehen

Am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) zählt Zusammenarbeit zu den entscheidenden Treibern wissenschaftlicher Durchbrüche. Genau diese wird mit dem medac Forschungspreis 2025 erneut ausgezeichnet. Der Preis würdigt wegweisende Forschungsarbeiten, die aus enger Kooperation verschiedener Forschungsgruppen am Leibniz-HKI hervorgegangen sind.

Die Preisträger*innen des medac-Forschungspreises 2025 gemeinsam mit Dr. Florian Ende von medac (2. von links), Institutsdirektor Prof. Axel Brakhage (rechts) und den stellvertretenden Institutsdirektor*innen Prof. Pierre Stallforth (links) und Prof. Ilse Jacobsen (3. von rechts). © Anna Schroll/Leibniz-HKI

Dr. Florian Ende, Leiter der Produktentwicklung von medac, gratuliert Preisträger Sebastian Dörner, der mit seinem Team für die Arbeit zur Freisetzung des tödlichen Pilzgifts Muscarin aus einer harmlosen Vorstufe ausgezeichnet wurde. © Anna Schroll/Leibniz-HKI

Als Zeichen der langjährigen Partnerschaft pflanzte Dr. Florian Ende von medac (rechts) mit Unterstützung von Institutsdirektor Prof. Axel Brakhage eine Blasenesche auf dem Gelände des Leibniz-HKI. Im Hintergrund (von links nach rechts): die HKI-Abteilungsleiter*innen Prof. Christian Hertweck, Prof. Ilse Jacobsen und Prof. Pierre Stallforth. © Anna Schroll/Leibniz-HKI

Ob bislang unbekannte Strategien von Krankheitserregern oder neue Ansätze zur Bekämpfung von Pilzinfektionen: Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie interdisziplinäre Forschung komplexe Fragen der Infektionsbiologie entschlüsselt. Vier Forschungsteams gaben Antworten auf folgende Fragen:

Wie breiten sich gefährliche Pandoraea-Bakterien in der Lunge aus? Gibt es Möglichkeiten, Pilzgifte schneller zu erkennen? Wie werden Pilze gegen Antimykotika resistent? Und wie spüren Bakterien ihre Feinde auf?

Doppelter Erfolg

Um ebendiese Zusammenarbeit von Forschenden aus verschiedenen Fachrichtungen zu fördern, lobt das Leibniz-HKI jährlich den medac Forschungspreis für die erfolgreichsten im Team entstandenen Forschungsarbeiten am Institut aus. Das Pharmaunternehmen medac aus Wedel bei Hamburg stiftet den mit 20.000 Euro dotierten Preis bereits seit 2004 und setzt damit ein starkes Zeichen für die Förderung exzellenter, kooperativer Forschung.

Zwischen medac und dem Leibniz-HKI besteht seit Jahrzehnten eine enge Partnerschaft. Das international erfolgreiche Unternehmen mit Therapiefokus auf Rheumatologie, Urologie, Hämatologie und Onkologie und einem Sitz im Kuratorium des Instituts fördert mit dem Forschungspreis gezielt die Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, um neue Ideen im Kampf gegen Erkrankungen voranzutreiben.

So gewinnen die Wissenschaftler*innen gleich zweifach: Einen Förderpreis sowie interdisziplinäre Forschungsergebnisse.

Prof. Ilse Jacobsen, Leiterin der Abteilung Mikrobielle Immunologie am Leibniz-HKI, eröffnete die Preisverleihung und betonte: „Mit medac wissen wir einen langjährigen, vertrauensvollen Partner an unserer Seite, der unser Verständnis von Wissenschaft teilt: Spitzenforschung gelingt nicht im Alleingang, sondern im Team, im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken und Kompetenzen. Der medac-Forschungspreis macht diese Zusammenarbeit sichtbar, weit über unser Institut hinaus."

Die prämierten Publikationen 2025 im Überblick

  1. Neu entdeckte Naturstoffe aus Pandoraea-Bakterien verdrängen Lungenbakterien durch Eisenentzug

    Ein Team um Erstautorin Elena Herzog hat bei pathogenen Bakterien der Gattung Pandoraea eine neue Gruppe bioaktiver Naturstoffe entdeckt: Pandorabactine. Sie ermöglichen es den Bakterien, anderen Mikroorganismen lebenswichtiges Eisen zu entziehen und können damit Einfluss auf das mikrobielle Gleichgewicht in der menschlichen Lunge nehmen. Die Studie liefert Einblicke in die Überlebensstrategien von Krankheitserregern und eröffnet neue Perspektiven für deren Bekämpfung.
  2. Nerventoxin-Vorläufer entdeckt: Pilztoxizität schneller erkennen

    Muscarin ist ein Nervengift, das vor allem vom Fliegenpilz bekannt ist. Erheblich höhere Konzentration von Muscarin kommen jedoch in Risspilzen und manchen Trichterlingen vor. Sebastian Dörner und seine Mitstreiter*innen konnten nun nachweisen, dass Muscarin in Pilzen nicht nur in aktiver Form vorliegt, sondern zusätzlich als harmlose Vorstufe gespeichert wird. Erst bei Verletzung oder Verzehr der Pilze wird diese Vorstufe in das wirksame Gift umgewandelt. Die Kombination aus aktivem und „verborgenem“ Muscarin erhöht die Gefährlichkeit bestimmter Pilzarten erheblich. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Notfallmedizin.
  3. Neue Angriffspunkte gegen Pilzinfektionen: RNA-Modifikationen als Ursache von Pilzresistenzen

    Erstautor Alexander Bruch und sein Team konnten zeigen, dass Modifikationen der tRNA beim krankheitserregenden Pilz Aspergillus fumigatus eine unerwartete Resistenz gegenüber bestimmten Antimykotika bewirken können. Auslöser ist die frühzeitige Aktivierung eines zellulären Stressantwortsystems, das molekulare Pumpen aktiviert und so die Wirkung der Medikamente abschwächt. Die Ergebnisse geben neue Einblicke in molekulare Resistenzmechanismen und bieten Ansatzpunkte für verbesserte Therapiestrategien gegen Pilzinfektionen.
  4. Schutz vor Fressfeinden: Chemisches Radar von Bakterien

    Pseudomonas-Bakterien nutzen ein „chemisches Radar“, um Fressfeinde wie Amöben zu erkennen. Beim Angriff verändern Amöben bestimmte bakterielle Moleküle: ein Signal, auf das die Bakterien reagieren, indem sie gezielt Abwehrstoffe produzieren, die die Angreifer schädigen oder töten. Die Angreifer lösen damit ungewollt ihre eigene Zerstörung aus. Die Ergebnisse des Teams um Erstautor Shuaibing Zhang erweitern das Verständnis mikrobieller Wechselwirkungen und eröffnen neue Perspektiven für die Entdeckung bioaktiver Naturstoffe, etwa für Medikamente oder den Pflanzenschutz.

Ein Zeichen für nachhaltige Partnerschaft

Dr. Florian Ende, Leiter der Produktentwicklung von medac, unterstrich die Bedeutung der Auszeichnungen: „Die heute prämierten Arbeiten zeigen eindrucksvoll: Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg – wir freuen uns, seit über 20 Jahren gezielt Forschende zu unterstützen, die nicht nur exzellente Wissenschaft betreiben, sondern auch gut organisierte, cross-funktionale Teamarbeit vorbildlich zu leben verstehen.“

Als Ausdruck der langjährigen Partnerschaft und der gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft von Forschung und Gesellschaft hat Dr. Ende nach der Preisverleihung einen Baum auf dem Gelände des Leibniz-HKI gepflanzt. Die klimaresistente Blasenesche macht die besondere Verbindung zwischen medac und dem Institut sichtbar.

Originalpublikationen

Herzog E, Ishida K, Scherlach K, Chen X, Bartels B, Niehs SP, Cheaib B, Panagiotou G, Hertweck C (2025) Antibacterial Siderophores of Pandoraea Pathogens and Their Impact on the Diseased Lung Microbiota. Angew Chem Int Ed 64(24), e202505714, https://doi.org/10.1002/anie.202505714

Dörner S, Trottmann F, Jordan PM, Rogge K, Bartels B, Werz O, Hertweck C, Hoffmeister D (2024) The fatal mushroom neurotoxin muscarine is released from a harmless phosphorylated precursor upon cellular injury. Angewandte Chemie International Edition, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/anie.202417220

Bruch A, Lazarova V, Berg M, Krueger T, Schaeuble S, Kelani AA, Mertens B, Lehenberger P, Kniemeyer O, Kaiser S, Panagiotou G, Gsaller F, Blango MG (2024) tRNA hypomodification facilitates 5-fluorocytosine resistance via cross-pathway control system activation in Aspergillus fumigatus. Nucleic Acids Research, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/anie.202417220

Zhang S, Schlabach K, Pérez Carrillo VH, Ibrahim A, Nayem S, Komor A, Mukherji R, Chowdhury S, Reimer L, Trottmann F, Vlot AC, Hertweck C, Hellmich UA, Stallforth P (2025) A chemical radar allows bacteria to detect and kill predators. Cell, https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(25)00269-7