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Mikroben im Kampf gegen Fettleber

Europäisches Forschernetzwerk „BestTreat“ entwickelt neue Maßnahmen gegen nicht-alkoholische Fettleber Jena. Wissenschaftler aus acht europäischen Forschungseinrichtungen und Firmen haben sich im EU-Netzwerk „BestTreat“ zusammengeschlossen, um neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für die nicht-alkoholische Fettleberkrankheit zu entwickeln. Dabei wollen sie sich Mikroorganismen zunutze machen, die bei gesunden Menschen für eine funktionierende Verdauung und ein intaktes Immunsystem sorgen. Dieses sogenannte Darmmikrobiom ist bei der Fettleber gestört, die genaue Rolle der Mikroben im Verlauf der Krankheit ist bislang aber noch unklar. Die Partner wollen herausfinden, wie sich das Darmmikrobiom bei einer Fettlebererkrankung verändert und Methoden entwickeln, um es wiederherzustellen.
Projektkoordinator Gianni Panagiotou Quelle: Leibniz-HKI

Projektkoordinator Gianni Panagiotou Quelle: Leibniz-HKI

Unter Leitung von Gianni Panagiotou vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) in Jena haben sich acht europäische Wissenschaftler zusammengeschlossen, um die Diagnose und Therapie der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung zu verbessern. Im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten Innovativen Trainingsnetzwerks BestTreat wollen sie dazu ab September 15 Promovierende ausbilden. Im Netzwerk arbeiten Partner aus Finnland, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland zusammen. Sie vereinen wissenschaftliche Expertisen in Systembiologie, Humanbiologie und Mikrobiologie, um dieses komplexe Thema in Angriff zu nehmen. Das gemeinsame Ziel ist es, bestimmte Muster in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms zu identifizieren, die zur Diagnose und Vorhersage des Krankheitsverlaufs eingesetzt werden können. Darüber hinaus sollen Therapieansätze entwickelt werden, die das Darmmikrobiom wieder ins Gleichgewicht bringen. So sollen beispielsweise bestimmte Mikroorganismen als sogenannte „Biotherapeutika“ eingesetzt werden. Die Nachwuchswissenschaftler erhalten dabei ein interdisziplinäres Training und verbringen im Laufe ihrer Doktorarbeit Gastaufenthalte bei den Partnern. Durch die Mitwirkung von Unternehmen wird die Lücke geschlossen, die zwischen der akademischen Forschung zu den Grundlagen der Krankheit und der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapiemethoden klafft.

„Durch die Zusammenarbeit der Partner aus den unterschiedlichen Disziplinen und die Beteiligung von Firmen erschließen sich ganz neue Möglichkeiten: Wir können nicht nur die Rolle des Darmmikrobioms bei der Entstehung der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung aufklären, sondern wollen Werkzeuge entwickeln, um das Mikrobiom als diagnostisches und therapeutisches Mittel einzusetzen“, beschreibt BestTreat-Koordinator Gianni Panagiotou den neuartigen Ansatz. Am Leibniz-HKI werden drei der Promovierenden des EU-Netzwerkes Teilaspekte des umfangreichen Forschungsprogramms bearbeiten. „Ein Forschungsschwerpunkt in Jena ist die Rolle komplexer Mikrobengemeinschaften bei der Entstehung von Krankheiten. Wir freuen uns sehr, mit BestTreat wertvolle Erkenntnisse am konkreten Beispiel des Darmmikrobioms bei der Fettlebererkrankung gewinnen zu können“, begrüßt Axel Brakhage, Direktor des Leibniz-HKI und Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Einrichtung des neuen Netzwerks.

 

Eine unterschätzte Krankheit

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit – Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 27 % der Gesamtbevölkerung betroffen sind. Die Symptome sind vielfältig und reichen von einer Leberverfettung bis hin zur Zirrhose oder gar Leberkrebs. Häufig bleibt die Krankheit unerkannt bis schwere oder lebensbedrohliche Komplikationen auftreten. Auslöser können beispielsweise die Ernährungsweise, ein Ungleichgewicht im Darmmikrobiom oder auch genetische Faktoren sein. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind allerdings noch unklar, es gibt bislang auch keine Möglichkeit, den individuellen Verlauf der Krankheit vorherzusagen.