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Mohammed Khallaf erhält die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaf

Am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena ist die Freude groß. Auch in diesem Jahr wird ein ehemaliger Doktorand für seine herausragende Dissertation mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet. Der Ägypter Mohammed Khallaf beschäftigte sich von 2015 bis 2020 mit den neurobiologischen Grundlagen der sexuellen Kommunikation in Essigfliegen. Als Postdoktorand erforscht er mittlerweile am renommierten Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die molekulare Basis der Schmerzempfindlichkeit.

Mohammed Khallaf Ali © Felix Petermann

„Zweimal bewarb ich mich vergeblich für eine Doktorandenstelle am Max-Planck-Institut, zweimal wurde ich abgelehnt. Aber ich gab nicht auf. Heute bin ich Träger einer der prestigeträchtigsten Auszeichnungen, die die Max-Planck-Gesellschaft für junge Forschende vergibt. Die Otto-Hahn-Medaille, die ich jetzt erhalte, ist das Ergebnis meiner Ausdauer und Beharrlichkeit. Ich bin überglücklich. Es ist eine große Ehre, nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie sowie meine Kolleginnen und Kollegen am MPI,“ freut sich Mohammed Khallaf, der während der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft diese Woche ausgezeichnet wird.

Der Erfolg zeigt, dass es wichtig ist, auch mit Rückschlägen umzugehen. Mohammed Khallaf hatte nicht nur einen schweren Einstieg. Das letzte Jahr seiner Promotion war von der Corona-Pandemie geprägt. Er war plötzlich damit konfrontiert, mit zwei lebhaften Kindern zu Hause zu sein. An Experimente im Labor oder den wichtigen Austausch mit den Betreuern war zeitweise nicht zu denken. „Diese schwierige Zeit ermöglichte es mir, meine Prioritäten zu überdenken und meine Zeit besser einzuteilen. Ich habe nicht nur meine Dissertation abgeschlossen und bei der Universität Jena eingereicht, sondern bin auch meiner Familie nähergekommen und glücklicher geworden. Ich hatte viel Spaß beim Spielen mit den Kindern und beim Kochen mit meiner Frau. Allerdings musste ich in dieser Zeit nachts an meiner Doktorarbeit und meinen Publikationen arbeiten. Rückblickend war es zweifellos die schönste Erfahrung meines Lebens,“ erinnert er sich an die Hürden, die es in Zeiten der Kontaktbeschränkungen zu überwinden galt.

Mohammed Khallaf kann mitreißend von seiner Forschung erzählen. Er wurde als Doktorand in Jena nicht nur mehrfach für seine Vorträge ausgezeichnet, sondern ging 2019 auch als Gewinner des Science Slams der Jenaer Graduiertenakademie hervor. Sein Thema: „Sex in flies“ - die Partnerwahl bei verschiedenen Arten der Essigfliegengattung Drosophila! Die Männchen geben einen chemischen Lockstoff, ein sogenanntes Sexualpheromon ab; die weiblichen Fliegen müssen das Signal des passenden Männchens der gleichen Art aufspüren. In seinen Studien gelang es ihm, die Duftsprache zu entschlüsseln, auf der die Paarung von 99 verschiedenen Essigfliegenarten basiert. Dabei konnte er auch zeigen, dass Fliegenmännchen ihre Partnerinnen chemisch so markieren, dass sie für andere männliche Fliegen weniger attraktiv riechen. Seine Arbeiten sind wegweisend für das Verständnis darüber, wie die Abgabe von Lockstoffen, deren Wahrnehmung und Verarbeitung im Gehirn und das daraus resultierende Verhalten bei Fliegen die Entstehung neuer Arten beeinflussen kann.

In Berlin forscht Mohammed Khallaf nicht mehr an Essigfliegen, sondern an Kleinsäugern. Für ihn ist das eine willkommene Herausforderung. Er zieht es vor, sich aus seiner Komfortzone herauszubewegen und die vertraute Forschung an der sexuellen Kommunikation bei Insekten gegen ein neues Thema zu tauschen: Das Berührungs- und Schmerzempfinden bei kleinen Säugetieren.  Dafür forscht er im Labor von Gary Lewin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an Mäusen und Nacktmullen.

An die Zeit in Jena denkt er sehr gerne zurück. „Ich hatte eine tolle Zeit in Jena am MPI, habe viele Freunde gefunden. Dazu trug das einladende und inspirierende Umfeld maßgeblich bei. Während meiner Promotion habe ich gelernt, mir hohe Ziele zu setzen und mich für das, was ich tue, zu begeistern. Ich hatte mit Markus Knaden und Bill Hansson zwei wunderbare Betreuer, die mir nicht nur beibrachten, wie man Wissenschaft betreibt, sondern mir wichtige Lektionen für meine künftige Karriere erteilten, zum Beispiel wie man Beruf und Familie gut in Einklang bringen kann,“ sagt Mohammed Khallaf.

Sein großer Traum ist es, irgendwann eine eigene Forschungsgruppe zu leiten und anhand von Modellorganismen innovative Themen aus den Neurowissenschaften zu erforschen, vielleicht in seinem Heimatland Ägypten, dem er, wie er sagt, gerne etwas zurückgeben möchte. Sein großer Wunsch ist es, ein ägyptisches Institut aufzubauen, das ähnlich gut ausgestattet ist wie die Institute, an denen er in Deutschland arbeiten durfte.